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Auf den Spuren des Hans Wurst

Geschichtliche Wurzeln v. Hans Wurst
Geschichtliches zur Figur des Hans Wurst

Stranitzky als Hans Wurst in historischer AnsichtHans-Wurst: StranitzkyWer hat eigentlich die Figur des  Hanswursts ins Leben gerufen?   -  Es war dies Josef Anton Stranitzky. Dieser, aus Graz oder Knittelfeld stammende Wander-Schauspieler, Prinzipal, Zahnarzt  und Weinhändler hob den ursprünglichen Hanswurst  aus der Taufe. Er war ein berühmter    Komödiant, der um 1700 mit seinen Stegreifspielen und Späßen die Wiener zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss! Stranitzky  "schneiderte" sich eine Rolle auf den Leib, gab dieser den Namen
            " H a n s   W u r s t "
und wurde damit zum unvergesslichen Gesellschaftskritiker und Fröhlichkeitsverbreiter. Nach seinen eigenen Angaben schaute er sich diese charakteristische Figur von den "Lungauer Sauschneidern" (= Viehkastrierern) ab, die er auf seinen weiten Reisen durch die Monarchie kennenlernte und übernahm von diesen geselligen, humorvollen Männern ihre Art zu sprechen, zu singen und zu spielen und sogar das eindrucksvolle Kostüm. In einer über ihn im Jahre 1882 erschienen Abhandlung heißt es: "Seine Späße, die er nach momentaner Eingebung, zuweilen überwältigend drastisch extemporierte, sprach er im breiten salzburgerischem Bauerndialekte..."  

Die bunte, groteske Kleidung des Hans Wurst sollte ihn sozial als Bauern bzw. Hanswurst (Theatermuseum)Sauschneider ausweisen. Dazu gehörte zumeist ein spitzer Hut und ein ziemlich breit gefalteter Kragen.  Den Lungauer  Dialekt nachahmend, verwendete er sinnwidrige Begriffe, verstieß gegen die Grammatik und gefiel sich in jeder Art von Späßen.   Sauflust, Prahlerei, Gewitztheit, Verschlagenheit verbunden mit einer abstrusen Respektlosigkeit gegenüber Konventionen und Tabus waren seine typischen Charaktereigenschaften. Hatten bis ins erste Drittel des 18. Jahrhunderts die Lustigmacher der Wanderbühne neben Hanswurst noch Kilian Brustfleck, Hans Supp, Potage und Knapkäse geheißen, so führte die Figur des komischen Dieners nach 1770 immer häufiger auch den Namen Kaspar, Hanskaspar oder Kasperl. Den anhaltenden Erfolg in Österreich verdankte Hanswurst   jenen, die im Extempore all ihre akrobatischen, mimischen, stimmlichen und verstandesmäßigen Fähigkeiten aufgeboten hatten, um dem Publikum ebenso lustvolles wie schadenfrohes Lachen zu entlocken. Neben Stranitzky und dem Theaterdirektor Joseph Felix von Kurz waren das vor allem die Wiener Schauspieler Gottfried Prehauser und Johann Josef La Roche. 
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hörte der Wurstel auf, Zoten und Hans-Wurst-Darsteller Gottfried Prehauser ordinäre Witze von sich zu geben. Die aufklärerische Politik und die Publikumsmentalität haben dem Hanswurst   Mäßigung auferlegt, ihm die Lust an seinen derben Späßen vergällt.  Das Beharrungsvermögen des Alt-Wiener Spaßmachers hat mit seinen multikulturellen Bindungen, der Spezifik des Publikums sowie seiner Beliebtheit selbst in den politischen Eliten (bis hin zum Kaiserhaus) zu tun. So tölpelhaft der Wurstel auch war, das Publikum identifizierte sich mit ihm und grölte vor Vergnügen, wenn er auf der Bühne sogar die Polizei verhöhnte. 
Hans-Wurst der Lungauer Hans-Wurst-SpieleDennoch setzte sich in der Literaturkritik und Literaturgeschichtsschreibung seit Beginn des 19. Jahrhunderts das norddeutsch-protestantische Aufklärungsparadigma durch; über den Wurstel wurde der Mantel des moralischen Schweigens gebreitet. 

1993 war es Dr. Peter Lüftenegger, ein gebürtiger Lungauer aus Thomatal, der maßgeblich zur Wiedergeburt des Hans Wurst beitrug. Im Rahmen der Hans-Wurst-Spiele ist der „Wurstl“ nunmehr wieder präsent und erfreut das Publikum wie einst  Josef Anton  Stranitzky.

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